wir schreiben den 24. april 2025.
morgen soll endlich das zweite kapitel meines erasmusjahres beginnen. eigentlich sollte es schon viel früher losgehen, aber es gab einfach zu viele dinge die mich davon abgehalten haben – mich selbst, zähle ich zu einen dieser dinge.
aber so ist es doch immer: im besten falle, sollte man einen für sich guten und gesunden umgang mit all seinen gefühlen und vergangenen geschehnissen finden, bevor man sich in neue abenteuer stürzt.
das habe ich nach anfänglichen fehlversuchen, nun endlich geschafft – ich bin bereit, meine reise zu starten.
aber warum eigentlich reise?
ich habe mich dazu entschieden, nachdem ich mein erstes semester bereits in bari gelebt und studiert habe, das zweite semester etwas anders anzugehen – oder besser gesagt: komplett anders.
ich habe in meinem ersten semester schon einiges lernen können, vor allem aber über mich selbst.
umgeben von einer unbekannten sprache, einem anderem lebensstil, dem meer, aber vor allem von mir selbst.
das alleine sein, war auch eine meiner großen motivationen, das ganze anzugehen, wobei mir damals noch nicht bewusst war, wie schmerzhaft es sich anfühlen kann, wenn man sich mal nicht danach fühlt.
in dieser zeit ist mir jedoch vor allem bewusst geworden, wie gefährlich komfort für mich ist und dass ich schnell von einem platz gelangweilt sein kann. ich habe gespürt, wie gut es mir und meiner arbeit tut, immer wieder eine neue umgebung zu erleben.
es ist so inspirierend für mich und treibt mein kreatives denken und arbeiten enorm an. dadurch, dass ich ins ausland gegangen bin, hatte ich auf einmal das gefühl, dass mir die welt offen stand und ich wollte auf einmal alles sehen und erkunden.
ich schätze mich als einen sehr neugierigen, sowie lebendigen menschen und kann von neuen erlebnissen sowie perspektiven nicht genug kriegen. genau deshalb suche ich schnell nach frischen herausforderungen in meinem leben.
wenn ich zu lange in einer mir bekannten begebung festsitze, kann es passieren, dass ich diese leider auf eine selbstzerstörerische weise suche. meinem körper und geist tut dies nicht besonders gut und ich lege mir unnötige steine in den weg.

aus diesem grund habe ich mich dazu entschieden, mit dem auto zurück nach italien zu fahren und meine zweite hälfte dort anders anzugehen. dies ist aber auch nur dank meiner familie möglich, die mich wie immer sehr in meinem handeln unterstützt, auch obwohl sie es öfter mal in frage stellen.
natürlich bin ich mir meiner privilegien bewusst und überhaupt verdammt dankbar dafür, diese entscheidung so für mich treffen zu können.
ebenso bin ich mir bewusst, dass ich mir selbst dafür dankbar sein kann, mich auf dieses erlebnis einzulassen und mir das überhaupt zuzutrauen.
es ist schön zu spüren, wie richtig sich diese entscheidung für mich anfühlt, und ich kaum zweifel an ihr aufbringe.
natürlich aber spielen ängste auch eine rolle – dennoch bin ich mir schon jetzt sicher, auf irgendeine weise für mein handeln belohnt zu werden.
es mag vielleicht etwas traurig klingen, aber über das eine semester in bari durfte ich feststellen, dass ich nach wie vor das gleiche mache und das einzige, was anders ist, meine umgebung ist. natürlich ist mein leben dort auch von schönen dingen geprägt gewesen, dennoch nehmen diese über die zeit immer mehr und mehr ab, da es mir schwerfällt, mich immer wieder auf diese einzulassen.
ich bin nach wie vor geleitet von lastern und lüsten und auf der suche nach schneller befriedigung – so, wie viele es aus der reizüberfluteten welt, in der wir heute leben, kennen sollten.

ich möchte den alltäglichen dingen wieder mehr raum und zeit schenken und sie nicht mehr als selbstverständlich ansehen.
ich würde gerne wieder die kleinen dinge genießen, entschleunigen und langeweile ausgesetzt sein. diese auch aushalten ohne mich direkt wieder in eine andere realität stürzen zu wollen – weg von mir und meinen gefühlen.
ich wünsche mir, wieder mehr bei mir zu sein.
und ja, ich weiß, dass dies auch unter bedingungen, wie ich sie zuvor gelebt habe, möglich ist. das habe ich auch bereits viele male gemacht und mich darin probiert. ich finde nur dass es deutlich beschwerlicher ist und man nicht direkt erkennt, was man eigentlich davon hat.
anders wird es jetzt sein: nun werde ich, denke ich, schnell dafür belohnt und bekomme aufgezeigt, wofür und warum ich das eigentlich mache.
ich entscheide mich dazu, mein auto nicht nur zum reisen zu nutzen, sondern es als mein neues zuhause anzusehen.
mein innerer freigeist findet an dem gedanken, an keinen ort gebunden zu sein, große erfüllung. ich freue mich schon jetzt darauf, dinge wieder aus eigener motivation und kraft anzugehen und nicht nur, weil ich sie machen muss.
in mir kommt die frage auf, warum ich eigentlich studiere.
ich versuche, mir diese frage zu beantworten und glaube, dass ich diese risikofreudigkeit und vor allem das was ich eigentlich möchte, über all die jahre, erst einmal erkennen musste.
alles kommt, wie es kommen soll, und ich bin sehr dankbar für das, was ich in der zeit meines studiums bereits lernen durfte – vor allem aber für all die tollen menschen, die ich lieben gelernt habe.
buci an euch !