es ist sonntagmorgen und ich liege mit tristan, seiner freundin marie und mitbewohnerin klara auf der saftig grünen wiese des hofgartens. mittlerweile habe ich mich etwas mehr vom vorabend erholt und ein frühstückchen im magen.
an dieser stelle vielen dank an pia, mitbewohnerin und freundin meiner schwester – rhabarbarkuchen am morgen darf auch mal sein und scheint mir eine angemessene einleitung des heutigen tages!
ebenso vielen dank für die app-empfehlung park4night, die mir später noch den arsch retten sollte.
ich versuche, abschließende worte zu finden und tristan zu motivieren – war das gestern vielleicht doch ein gläschen wein zu viel? quatsch, es ist einfach ein viel zu schöner sonntag um ihn im auto zu verbringen.
ob wir uns nun eigentlich einen plan zu unserer route gemacht haben? ihr könnt es euch wahrscheinlich denken.
einfach mal reinstürzen und schauen, wie weit wir kommen, denken wir uns. wir haben ja eine lange fahrt vor uns, auf der man sich darüber noch ausgiebig gedanken machen kann.
die letzten stunden verbrachten wir eher damit, unsere situation zu romantisieren und gefallen daran zu finden, was wir alles für möglichkeiten haben: „wir könnten die tage ja auch einfach einen marathon laufen oder so“ scherzten wir am vorabend in gesellschaft. aber ne, natürlich haben wir andere pläne mit unserer zeit. für einen marathon ist in unserer midlife crisis noch zeit, wenn wirklich gar nicht wissen, wohin mit uns.
gerade, sind wir von möglichkeiten nur zu überhäuft und können uns kaum einig werden – eher aber, weil wir fast mit allem zufrieden wären. letztendlich entscheiden wir uns, auf unserer ersten etappe den bodensee anzufahren. auf einer fahrt geprägt von guten unterhaltungen und einer 1a musikauswahl tristans erreichen wir gegen abend einen campingplatz in ludwigshafen – hier erwartet mich also meine erste nacht im auto.
bis auf die tatsache, dass es etwas frischer ist als erwartet und mir mitten in der nacht ein mader aufs dach springt und mich aus dem schlaf reißt, läuft alles rund. auch tristan hat eine erholsame nacht im zelt und wir entscheiden uns am morgen, direkt weiter in den süden zu fahren und keine weitere zeit, wie anfänglich überlegt, in deutschland zu verbringen.
wir sehnen uns nach sommerlichen temperaturen und gutem essen – la dolce vita eben.
nach dem frischmachen am morgen, brechen wir also direkt wieder auf und nehmen uns als nächstes den comer see vor.
auf der fahrt werden wir uns jedoch schnell einig, dass wir gerne die schweiz skippen würden und ändern unseren plan. dieser heißt jetzt gardasee und wird am gleichen abend noch im norden in linfano erreicht.

nach einer erneut erflogreichen nacht auf einem campingplatz ist der plan für unsere nächste nacht wildzucampen.
nach morgendlichen plätschern im eiskalten wasser des sees, erkunde ich noch auf meinen inlinern den ort und genieße die hier frisch geteerten straßen. für heute steht nun nur eine kurze etappe an den südlichen zipfel nach rivoltella an.
die fahrt entlang der küste des gardasees spielt sich mit klassisch italienischer musik in den ohren wie ein film ab.
wenn wir früher als familie urlaub gemacht haben, dann hier.
ich habe mir schon damals gewünscht, diese straßen einmal selbst fahren zu können. nun, hab ich endlich die möglichkeit und genieße es in vollen zügen. die italiener*innen hinter uns zeigen durch wildes gehupe dass sie leider kaum verständnis für meinen ,durch tempo angepassten, fahrstil haben. mich berührt dies jedoch nicht – wie soll ich denn bitte sonst aussicht und straße gleichzeitig im blick haben und dazu auskosten?
außerdem fahre ich die vorgegebene geschwindigkeit – also alles paletti und niemand in gefahr. es stresst mich trotzdem etwas und nervt.. ich fahre deshalb an einem aussichtspunkt links ran und neige meinen blick zu tristan: „kaffee?“
wir packen die notwendigen utensilien aus und zaubern uns in wenigen minuten einen espresso, welchen wir mit fluppe und seeblick genießen.
noch einmal kurz die augen vor der sonne schließen und direkt weiter –

es ist eine affenhitze und wir beide sind uns sicher, dass wir nach unserer ankunft im süden ein weiteres mal das angenehme süßwasser des gardasees genießen wollen. gesagt, getan.
gegen 17 uhr brechen wir vom strand wieder auf. wir haben noch genug zeit, um einen passenden platz für unser zelt zu finden. dachten wir zumindest, doch die suche stellt sich als gar nicht mal so leicht dar. wir geistern nun schon seit längerer zeit durch ländliche straßen umgeben von bauernhäusern, ruinen, welche solche mal waren, und weinfeldern.
ob das wohl ein geeigneter ort ist? wir sind uns nicht sicher. darüber wie traumhaftschön wir es hier finden, umso mehr.
„hier einen eigenen hof mit familie und tieren“ romantisieren wir.
nachdem wir die gleichen straßen mehrmals hoch und runter fahren und kurz davor sind, unsere suche aufzugeben, erblicken wir eine erhöhung hinter weinreben. die bieten neben ihrer schönen optik auch noch einen idealen sichtschutz. da der bauer dort scheinbar vor einiger zeit noch langgefahren ist, lässt sich der platz super mit dem auto erreichen.
jetzt stehen wir hier zwischen heranwachsendem wein, moskitoschwarten, einer alten waschmaschine im gebüsch und einem großen turm, welcher sich später als ein museum namens „torro san martino della battaglia“ herausstellt.
wir sind größtenteils recht überzeugt von unserem platz. nervenkitzel ist trotzden da, denn ist es ja gar nicht erlaubt was wir hier eigentlich machen und somit bleibt die stimmung nach wie vor etwas angespannt.
wir hören abends immer wieder, wie die landwirt*innen unterwegs sind. mal schauen, ob unser spot, den wir für so gut befinden, auch wirklich so gut ist und wir hier weiter unentdeckt bleiben.
wir versuchen, die situation weiterhin zu beobachten und nutzen die Zeit, um unseren gemeinsamen freund ben anzurufen, der sich gerade in rio aufhalten sollte, wie es instagram stories vermuten lassen. mittlerweile ist er jedoch wieder in santiago de chile und liegt etwas verknittert im bett.
er kam letzte nacht zurück und hat sich bereits dagegen entschieden die heut anstehende vorlesung zu besuchen.
er studiert gerade auch im ausland, jedoch in südamerika und genießt auch gerne in seiner freizeit, oder auch anstelle von vorlesungen, besuche der schönen nachbarsorte. er hatte bereits eindrückliche erfahrungen in panama und auch costa rica machen können und nun war also die hauptstadt brasiliens an der reihe. er erzählt uns auf spannende weise von seinen erlebnissen dort und den anderen lebensrealitäten, die er dort erfahren durfte. höhepunkt seiner erzählungen ist eine favelaparty, bei der zum takt der musik mit ak47-gewehren in die luft geschossen wird. eine interessante art von egogepushe und machtgehabe denke ich mir.
tristan und ich sind auf jeden fall erleichtert, dass ben und seine studiefreunde ihre zeit dort genießen konnten und ihnen nichts passiert ist.
auf einem bolzplatz haben sie sich wohl mit den richtigen jungs eingelassen und sind später mit dem angeblichen neffen des favelabosses unterwegs, der mit seinen kollegen, so sagt ben, deren lebensversicherung darstellt.
eigentlich ist es für touristen nicht möglich, die favelas zu besuchen, und sie bieten keinen besonders sicheren ort. anders wenn einem höchstpersönlich eine art geleitschutz geboten wird, dann ist das natürlich was anderes.
nach dem telefonat mit ben meldet sich bei tristan und mir der hunger, worauf wir uns die wahrscheinlich schlechtesten hotdogs, die wir je gegessen haben, machen.
naja, sie erfüllen immerhin ihren zweck und es muss gerade schnell gehen, weil mit offenem feuer möchten wir hier nun wirklich nicht erwischt werden. es ist wahrscheinlich ein bild für die götter wie wir auf dem boden vor dem gasgrill hocken und veggiewürstchen in sprudelwasser kochen, weil wir uns wie immer mal vergriffen haben.
nach dem essen wird es langsam dunkel und wir setzen uns für eine stunde mit rotwein und kniffel auf der wiese mit ausblick auf den turm nieder. erstmal durchatmen.

neben meiner undenkbaren niederlage ist der feierabend ein wirklicher genuss – trotz drei kniffel die ich werfe, soll der gewinner am ende, dennoch tristan heißen.
ich bin schockiert, gönne ihn aber natürlich trotzdem den sieg, da er anders als ich, bis zum ende wirklich gut gespielt hat.
wir bleiben weiterhin ungestört, weshalb der abend hier nun zuende gehen sollte.
wir würden morgen zum sonnenaufgang erwachen um unannehmlichkeiten zu vermeiden und hoffentlich mit einem schönen blick belohnt werden.
unser nächstes reiseziel lautet bologna, wo wir uns ein oder zwei tage auf den trubel der studentenstadt einlassen wollen.
ich freue mich schon, mich in dieser zeit etwas mehr mit meiner neuen kamera vertraut zu machen und ein hotelzimmer mit richtigem bett und bad genießen zu können.


